Chronik der freiwilligen Feuerwehr
Allendorf/Hohenfels

Die erste Urkundliche Erwähnung der freiwilligen Feuerwehr Allendorf b.Gl. geht ins Jahr 1927 zurück. "Vor einigen Wochen wurde von mehreren Einwohnern, besonders von jüngeren männlichen Personen, der Wunsch erklärt zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Die Einsicht bestand, daß durch diese Wehr bei Bränden manches Gebäude gesichert werden würde, was sonst zur Vernichtung freigegeben sei."
Auf Wunsch dieser Personen richtete der Bürgermeister ein Schreiben an das Landratsamt Biedenkopf und bat um die Unterstützung des Herrn Kreisbrandmeisters Achenbach zu Biedenkopf. Am 16. Januar 1927 fand dann die Gründungsversammlung, mittags um 13.00 Uhr im Schulsaal statt. Erschienen waren 25 Personen.
Kreisbrandmeister Achenbach leitete die Wahl zum Ortsbrandmeister welche einstimmig auf Ludwig Weigel ausfiel. Weiter gehörten der Gründungsmannschaft an:

Andreas Müller IV
Friedrich Flemming
Heinrich Schmidt
Heinrich Flemming
Tobias Messerschmidt
Heinrich Wagner
Wilhelm Bamberger
Hermann Debus
Johannes Messerschmidt
Friedrich Schmidt
Ludwig Messerschmidt
Andreas Jacobi
Jakob Schmidt
Heinrich Jacobi
Wilhelm Jacobi
Weigand Prinz
Ludwig Happel
Heinrich Dönges
Jost Wege
Jost Dönges
Heinrich Weigel
Karl Burk
Ludwig Velte
Johannes Jacobi II

Eine alte Handfeuerspritze aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeugt davon, daß in Allendorf bereits zu dieser Zeit eine Pflichtwehr bestand.
In ausführlichen, manchmal recht Humorvollen Protokollen hielt der damalige Schriftführer Hermann Debus die vielfältigen Aktivitäten der Feuerwehr fest. So berichtet er von der Teilnahme an Verbandstagen, aber auch von manchem geselligen Beisammensein, das auch zum Feuerwehrleben dazugehört.
Als Kostprobe sei an dieser Stelle der Bericht von einer Kartoffelbratpartie aus dem Jahre 1928 dem Leser mitgeteilt. "Immer mehr Gäste kamen an, welches bezeugt, daß auch unserer jungen Wehr von Seiten der hiesigen Einwohner immer mehr Interesse entgegengebracht wird, welches uns große Freude macht. Die Mitglieder des Gesangvereins, welche anwesend waren, gaben einige Lieder zum Besten und halfen mit zur Verschönerung des Nachmittags. Leider waren die Würstchen zu schnell ausverkauft. Kamerad Schäfer sorgte mit seinem Grammophon auch für die nötige Abwechslung. So ging es lustig und munter her, bis die Nacht zum Heimgehen mahnte. Den Abschluß bildete eine kleine Nachfeier mit Tanz am Abend auf dem Saale des Gastwirts Jakobi. Kamerad Brock sorgte für Musik. Leider waren vom Nachmittag einige derart vergiftet, daß sie sich zur Ruhe begeben mußten, andere wieder verließen frühzeitig, mit schwer nach vorn hängendem Kopf den Saal."
Einen ersten Höhepunkt im Vereinsleben stellte das Bezirksfeuerwehrfest am 28. + 29. Juli 1929 dar, das von der freiwilligen Feuerwehr Allendorf ausgerichtet worden war. 23 Wehren erlebten ein, wie üblich, gastfreundliches Dorf. "Alles in allem, es war ein wunderschönes Fest, gut organisiert und getragen von dem Geist aufrichtiger Kameradschaftlichkeit und Pflichttreue", so berichtet Schriftführer Hermann Debus.
Nach dem plötzlichen Tode des verdienten Feuerwehrkommandanten Ludwig Weigel im Jahre 1930 übernahm Andreas Müller bis zum Jahre 1933 die Geschicke der Feuerwehr. Sein Nachfolger wurde Heinrich Dönges, der die Wehr bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges leitete.
Während des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben begreiflicherweise zum Erliegen. Sehr spät, erst im Oktober 1961, entschloß man sich auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Hermann Debus zur Wiederaufnahme der Freiwilligen Feuerwehr Allendorf/Hohenfels.

Am 24. Oktober 1961 nahmen dann unter Kommandant Erich Günther und dessen Stellvertreter Johann Schmalz den aktiven Dienst wieder auf:
´
Willi Aßmann
Werner Arnold
Egon Jacobi
Hermann Kirchner
Willi Muth
Günther Hofmann
Peter Lorenz II
Hugo Jacobi
Erwin Becker
Erich Loch
Erwin Klatt
Ludwig Bamberger
Peter Lorenz I
Manfred Weyrich
Dieter Weigel
Johann Bandel
Erich Schmalz
Wilhelm Damm
Herbert Debus
Ludwig Bambay
Heinz Weyrich
Ludwig Debus
Leopold Kosina
Alois Frey
Heinz Nassauer

Von 1963 - 1983 leitete Johann Schmalz mit Hingabe die Geschicke der Feuerwehr. Der organisatorische und technische Aufbau schritt zügig voran, so daß die Freiwillige Feuerwehr Allendorf mit der Ausrichtung des Kreisfeuerwehrverbandstages 1967 des Altkreises Biedenkopf, sowie 1979 und 1989 des Großkreises Marburg Biedenkopf mit einer Gästezahl von ca. 3000 Personen betraut wurde. Dank einer vorbildlichen Organisation rechtfertigte die Allendorfer Wehr das in sie gesetzte vertrauen, einer solchen Festlichkeit den würdigen Rahmen zu verleihen. Nur durch Einsatz der gesamten Bevölkerung war dieser Erfolg zu erreichen.
Gigantisch war alleine, wenn man überlegt, daß bei den sonntäglichen Festzügen der Anfang bereits Mitte der Schwarzackerstraße war, und das Ende sich unterhalb des Sportplatzes in Gang setzte. Selbst ein gewaltiger Wolkenbruch während des Festzuges in 1979 konnte dem Fest nur geringen Schaden zufügen. Noch heute sprechen Feuerwehrkameraden aus dem Landkreis, die einen Verbandstag in Allendorf/Hohenfels miterlebt haben, dankende und neidvolle Anerkennung aus. Inzwischen hatte sich die Wehr neben dem organisatorischen Aufbau erfolgreich um die Vervollkommnung ihres technischen Ausrüstungsgegenstandes bemüht.
1978/79 wurden durch den Umbau des bisherigen Geräteraumes ein Gemeinschaftsraum und ein großzügiger Geräteraum in Eigenleistung geschaffen.
In 1984 mußte das in die Jahre gekommene Mannschaftstransportfahrzeug Fabrikat Borgward, welches im Jahre 1966 von der Bundeswehr als ausgemustertes Fahrzeug in Eigeninitiative angeschafft wurde, ersetzt werden.
Nach der ersten ursprünglichen Zusage des Ortsbrandmeisters der Gemeinde Dautphetal, ein neues LF 8 zu bekommen, mußte sich die Wehr aber zunächst mit dem inzwischen auch 20 Jahre alten LF 8 aus Dautphe begnügen.
In 1993 ergab sich die Möglichkeit einen VW-Bus als Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) preisgünstig von Privat zu erwerben. Mit der Anschaffung dieses MTF wurden schon die Weichen für das Kalenderjahr 1994 gestellt. Damit ist ausreichend Transportmöglichkeit für die Einsatztruppe bereitgestellt.
Die inzwischen von der Gemeinde gegebene Zusage, dass die FFw Allendorf ein nagelneues Feuerwehrfahrzeug erhält, wurde im Januar 1994 endlich wahr. Eine Abordnung unserer Wehr mit dem Ortsvorsteher Erwin Klingelhöfer an der Spitze machte sich auf nach Luckenwalde bei Berlin, um das dort fertig gestellte TRAGKRAFT - SPRITZEN - FAHRZEUG - WASSER (TSF-W) abzuholen. Sicher hätte unser Feuerwehrkamerad Joachim Kamm (32 Jahre), Initiator für die feuerwehrtechnische Herrichtung des VW-Busses, der leider am 9. Oktober 1993 für uns alle plötzlich und unerwartet von uns gegangen war, an dieser Errungenschaft seine helle Freude gehabt. Dieses Fahrzeug macht unsere Wehr einsatzfähiger und die Wasserversorgung ist sofort gesichert.
Auch wenn man als Außenstehender nicht viel von der Arbeit der freiwilligen Feuerwehr mitbekommt, können wir aus eigener Erfahrung sagen, daß doch immer wieder 1 bis 2 mal im Jahr die Hilfe der FFw bei Einsätzen z.B. Zimmer-, Garagen-, Auto-, Scheunen-, Kamin-,oder Flächenbrand, ja sogar bei Suchaktionen, erforderlich war. Immer erst da, wo Hilfe gebraucht wurde, konnten wir Erleichterung der Betroffenen, für unbürokratische und schnelle Hilfe feststellen.
Im gesellschaftlichen, als auch im kulturellen Bereich sieht unsere Wehr ihre zusätzlichen Aufgaben. Das beweisen die jährlichen Veranstaltungen, wie traditionelles Würstchenbraten, Familienabend und Wandertag. Sehr großer Beliebtheit erfreut sich die seit 1982 im zweijährigen Turnus stattfindende Vereinsfahrt, an der sich anfangs bis zu 70 Personen beteiligen.
Ein Generationswechsel bahnte sich 1995 durch das ausscheiden des seit Jahrzehnten im Vorstand tätigen Kameraden Herbert Debus an. Wolfgang Koch - der bisherige stellvertretende Wehrführer - übernahm das Amt des Beisitzers. Was sich bei den letzten Vorstandswahlen bereits abzeichnete, wurde im Januar 1998 Wirklichkeit. Der junge Feuerwehrkamerad Jens Kamm (seit 1995 als stellv. Wehrführer im Amt) übernahm nun die Aufgabe des Wehrführers, und der bisherige Wehrführer Jürgen Mangner rückte nach 15 Jahren Amtszeit aus beruflichen Gründen ins zweite Glied. Jens Kamm setzte sofort neue Impulse und konnte auch neue freiwillige gewinnen. Im Übrigen hat er die optimalen Voraussetzungen durch seinen Beruf um dieser Aufgabe gerecht zu werden.
Die seit 1993 bestehende Jugendfeuerwehr zählt zur Zeit 19 Mitglieder (Mädchen und Jungen) die im 3-Wochentakt durch die sehr engagierten Jugendwarte Carsten Schmalz und Jan Klingelhöfer betreut und geschult werden.
In den Jahren 2001-2002 haben die Mitglieder in Eigenleistung eine Garage für den Mannschaftsbus sowie weitere Gerätschaften errichten können und damit ihre Ausstattung um ein weiteres Stück verbessert.
Im geselligen Bereich seien noch die beiden Jubiläumsfeierlichkeiten zum 70- jährigen und 75- jährigen Bestehen zu erwähnen. Nachdem wir im Jahr 1998 den 70. Geburtstag im kleinen Rahmen beim Dorfgemeinschaftshaus mit Zelt und Vorführung der Kameraden aus Friedensdorf gefeiert hatten, entschloss man sich das nächste Jubiläum wieder groß zu feiern. Im Jahr 2003 feierte man dann das 75- jährige Jubiläum gemeinsam mit dem 10. Geburtstag unserer Jugendfeuerwehr auf dem Festplatz. Als Höhepunkt dieser Veranstaltung wird sicher noch der Auftritt der bekanntesten und erfolgreichsten Country-Band Europas, der Gruppe "TRUCK-STOP", bei vielen in Erinnerung sein. Etwa 1100 Gästen besuchten uns am Pfingstsonntag zum Konzert.

Möge die Allendorfer Wehr, ebenso alle anderen Wehren auch zukünftig durch den selbstlosen Einsatz der aktiven Mitglieder dem Bürger Schutz und Sicherheit in Katastrophensituationen gewähren.

Allendorf/Hohenfels, im August 2004